Unsere Story


Warum Wir für Erste Hilfe brennen

Der Pager piept. 03:44 Uhr. P1, bewusstlose Person. Schnell ist der kurze Schlaf verflogen. Ich höre, wie der Kollege im Pikettzimmer nebenan bereits am Aufstehen ist. Auf dem kurzen Weg zum Rettungsfahrzeug zittere ich. Nein, nicht weil ich Angst habe. Auch nicht unbedingt, weil es eine der bereits kühlen, leicht nebligen Herbstnächte ist. Zittern, das tut es mir einfach ab und zu im Nachtdienst, wenn ich jäh aus dem Schlaf gerissen werde. Es bessert dann schon, spätestens auf der Anfahrt.

 

Rhythmisch spiegelt sich das Blaulicht in den einzelnen Nebelschwaden, während wir zügig über die fast leere Autobahn fahren. Jetzt habe ich Zeit, kurz die Disponentin der Sanitätsnotrufzentrale 144 zu kontaktieren. Eine Frau habe alarmiert. Sie sei aufgewacht, weil ihr Ehemann so komisch geatmet habe. Er sei nicht weckbar. Übrigens, teilt mit die Disponentin mit, die Frau sei sehr aufgelöst. Ihre Erste Hilfe Anweisungen seien daher bis jetzt erfolglos geblieben, sie werde es aber weiter versuchen. Jahrgang des Patienten wisse sie im Moment nicht...

 

In der Nacht erkennt man den Einsatzort oft, weil sonst nirgends Licht brennt. Zumindest werktags, wie jetzt. Wir sind da. Ein hübsches Einfamilienhaus, die Haustüre offen. Trotz der Dunkelheit erkenne ich im Vorgarten die Silhouette eines Kinderspielgerätes. "Hoffentlich für die Enkelkinder", schiesst es mir durch den Kopf, während ich das nötige Material aus der Ambulanz nehme.  Eine Frau kommt uns im Pyjama entgegen gerannt. Ich schätze sie anfangs vierzig. Aus Ihren Augen spricht Panik und Entsetzen als sie uns mit den Worten begrüsst: "Kommen Sie, kommen Sie, jetzt atmet er nicht mehr." "Ist es Ihr Vater?", frage ich schon fast hoffnungsvoll, das Spielgerät im Garten immer noch im Augenwinkel. "Nein, mein Ehemann, nein." Im selben Augenblick schweift mein Blick auf die Kinderschuhe im Eingangsbereich des Hauses. Irgendwie überkommt mich in dem Moment das anfängliche Zittern wieder, wenn auch nur innerlich....



Den Rest der Geschichte möchten wir Ihnen so detailliert ersparen. Das Schicksal dieses Familienvaters, seiner Witwe und den drei Halbwaisen, steht symbolisch für viele andere Geschichten, die tagtäglich geschehen. Statistisch sind es in der Schweiz genau 27 täglich: 27 Menschen jeglichen Alters, die auf Grund des Plötzlichen Herztodes jäh aus dem Leben gerissen werden. Unglaublich viel grösser ist dadurch die Anzahl Kinder, die gleichzeitig ihre/n dringend benötigte/n Mama/Papa verlieren und Halbwaisen werden. Aber auch Arbeitskollegen und Vorgesetzte, die betroffen und ohne Worte dastehen und später einer Witwe in die Augen schauen müssen...

 

Und noch viel grösser ist die Anzahl Arbeitsunfälle, die in der Schweiz geschehen. Es sind pro Tag rund 700. 


Bystander's Window, Erste Hilfe, Betriebssanitäter.
Bystander's Window.

Die obenstehende Illustration verdeutlicht eine tödliche Krux: Unser Hirn toleriert nur drei Minuten ohne Sauerstoffversorgung. Der Sauerstoff, der all unsere Zellen im Körper versorgt, wird im Blut transportiert. Das Blut wiederum wird vom Herzen durch unseren Körper und eben auch zu unserem Hirn gepumpt...doch genau dieses Herz hat eben beim Plötzlichen Herztod aufgehört zu schlagen. Wir haben also nur drei Minuten Zeit - danach nimmt unser Hirn unwiderruflich Schaden. Doch bis professionelle Hilfe bei Ihnen ist, dauert es oft 10 Minuten und mehr. Im Kanton Bern sind es durchschnittlich 13 Minuten.

Wir haben also drei Minuten Zeit, einen Menschen zu retten, ihm ein "zweites" Leben zu schenken und viel Leid bei Angehörigen zu verhindern. Doch just in diesen drei Minuten werden Sie keine Profis bei sich haben...

Die gute Nachricht ist: Handeln wir in diesen drei Minuten korrekt - das heisst, beginnen wir mit Reanimationsmassnahmen und setzten einen AED ein - liegen die Überlebenschancen bei 70%! In den folgenden Minuten sinken diese Chancen um 10-12% pro Minute (Quelle: ERC Guideline 2015).

 

70% Überlebenschance! Wissen Sie, was das bedeuten könnte? 7'000 der 10'000 Menschen, die in der Schweiz jährlich am Plötzlichen Herztod sterben, könnten überleben! Fast 19 von 27 Menschen täglich. Wunderbar, nicht?! 


Das ist unser "Warum". Das, was uns täglich aufs neue antreibt. Wir wollen unseren Beitrag leisten, dass mehr Menschen überleben. Es ist nämlich so einfach.

Wie wir das tun? In dem wir die Erste Hilfe mit neuen, ärztlich geprüften Konzepten vereinfachen. Damit lebendige und praxisnahe Erste Hilfe Trainings durchführen. Immer das Ziel vor Augen, dass möglichst viele Menschen im Ernstfall die wichtigsten Punkte der Ersten Hilfe abrufen können. Denn in den ersten drei Minuten nach dem Ereignis wird höchstens per Zufall ein Profi bei Ihnen vor Ort sein. Wir wollen Überleben vom Zufall befreien.